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SY Jolina - Eine Leisure 17 KK

An dieser Stelle berichte ich über das Refit der kleinen Jolina. Die Jolina ist eine Leisure 17 KK. Das "KK" steht für Kimm-Kiel.

Abholung in Andijk/Niederlande

Erworben habe ich sie am 22.10.2011. Da sie ohne Trailer verkauft wurde, musste ich mir einen Autotransportanhänger mieten. Die Hinfahrt nach Andijk/NL war in der Schlussphase recht abenteuerlich. Das Navi-Gerät meines Autos leitete uns bei Dunkelheit durch die Innenstadt von Enkhuizen, nachdem wir den Damm von Lelystad nach Enkhuizen erfolgreich hinter uns brachten. Mit einem fast 5 m langen "Geschoss" im Rücken nicht gerade eine angenehme Stadtbesichtigung. Sightseeing stelle ich mir anders vor. So kam es, wie es kommen musste - festgefahren. Enge Gassen, enge Kurvenradien, zu viele Fahrräder auf dem Bürgersteig – Stopp! Warnblinke an, aussteigen, Lage inspizieren. Es half nichts, der Hänger musste abgekoppelt werden. Nun hieß es 800 kg Stahl auf 4 Rädern, durch 2 gestresste Personen, auf leicht abschüssiger Straße, nein Gasse, durch mehrmaliges Vor- und Zurückschieben wieder in eine Position bringen, die ein Weiterfahren ermöglichte.

An dieser Stelle ein Dankeschön an die freundlichen Zuschauer von Enkhuisen.
Aber, wir haben es auch ohne die Mithilfe der EU-Bürger von Enkhuizen geschafft.

Nach einem guten Frühstück am nächsten Morgen, fuhren wir erwartungsvoll zur Marina nach Andijk. Dort trafen wir uns mit dem Eigner der Leisure 17 und sahen zum ersten Mal die „Liberty“, wie sie damals noch hieß. Von wegen „Liberty“!  Mitleidsvoll und traurig sah sie aus. Die ganze Saison ohne Auslauf und Pflege. Festgemacht an 4 Leinen schmachtete sie vor sich hin.  

Der Eigner öffnete das Schiebeluk, und wir konnten uns von den inneren Werten der „Liberty“ einen ersten Eindruck machen. Für den ersten Eindruck gibt es bekanntlich keine zweite Chance. Während wir uns im Innern so umsahen, hörten wir an Deck ein Poltern, Rumpeln und schließlich ein Platschen. Was war geschehen? Oh je, oh je! Mann über Bord an Steuerbord! Der Eigner ist, man glaubt es kaum, ausgerutscht und über Bord gegangen. Zum Glück ist ihm nichts weiter passiert. War es Unachtsamkeit oder die Vorfreude, endlich sein Boot verkaufen zu können? Wir werden es nie erfahren! Bei einer Lufttemperatur von 4°C war es im Wasser sicherlich etwas wärmer. Aber uns gefiel es an Bord doch besser, und so entschlossen wir uns kurzerhand, es ihm nicht nach zu machen und an Bord zu bleiben.

War es Liebe auf den ersten Blick oder Mitleid, oder gar beides? Nach einer kurzen Begutachtung entschieden wir uns, sie zu kranen und  mitzunehmen, vorausgesetzt, das Unterwasserschiff ist in Ordnung. Es war in Ordnung! Und so haben wir die Ladung gesichert und den Weg in die neue Heimat der „Liberty“ angetreten.


Abfahrt in Andijk


Erste Kontrolle der Ladungssicherung auf dem Damm zwischen Enkhuizen und Lelystad

Übrigens, begleitet hat mich mein Sohn David, der eigens dafür das Heimspiel des 1. FC Kaiserslautern gegen Freiburg (1:0), trotz Saisonkarte, sausen lies. Toll David. Danke!
Nach 7,5 Stunden Autofahrt sind wir um 19.00h nach Hause gekommen und wurden von Holger, meinem Schwiegersohn, bereits erwartet.

Nun hieß es, die „Liberty“ ohne Schaden mit dem Gabelstapler abzuladen.
Es gelang uns nach 3 Versuchen, sie heil auf Kiel zu legen.


Willkommen zu Hause!

Von nun an nenne ich sie "Jolina". Die offizielle Taufe wird noch folgen.

Die Jolina soll mal ihre Runden auf dem Bostalsee drehen. Gedacht für den Feierabendtörn unter der Woche, will ich mir die Jolina so herrichten, dass ich mich auf ihr auch wohlfühle.Der Voreigner hatte sie aus seiner Sicht pfleglich behandelt. Diese Sichtweise und das Ergebis daraus,  möchte ich noch toppen.

Ich danke David und Holger für ihren Einsatz. Freuen wir uns gemeinsam auf nette Segeltörns auf unserem schönen Bostalsee mit der kleinen „Jolina“.  


Auf Kiel gelegt. Jolina wartet sehnsüchtig auf ihr Refit.


Planung Refit

Jolina wartet sehnsüchtig auf ihr Refit, und ich habe alle Hände voll zu tun. Sowohl meine maritime Bibliothek, in Form von Büchern und PDF-Dateien, wird immer wieder zur Hand genommen als auch die „Bootsbauschule google“ wurde im besonderen Maße konsultiert. Fach- und Forenbeiträge wurden studiert und mit vorhandener Lektüre abgeglichen. Unsicherheiten traten auf:

Welche Grundierung auf die Eisenkiele? Welche Vorstreichfarbe auf`s Gelcoat? Verträgt das Antifouling die Vorstreichfarbe und umgekehrt? Nass oder Trockenschleifen?  Welche Körnung bei den einzelnen Schleifarbeiten? Temperaturen und Zeitfenster der einzusetzenden Werkstoffe berücksichtigen. Mit welchen Arbeiten beginnen? Fragen über Fragen. Meinungen über Meinungen. Was nun? Nur keine Fehler machen.

Ein Netzplan, aus dem ich genau nachlesen kann, wann welche Vorarbeiten und Einzelmaßnahme erledigt werden können,  muss her. Ich bemühte mich gerade diesen zu erstellen, dann der „rettende“ "Funk"-Ruf aus dem Wohnzimmer: „Die Küstenwache fängt an.“  Fernsehen - nein danke; aber Küstenwache muss sein. Ein Schwenk backbord in den Flur und dann Steuerbord ins Wohnzimmer. Hoffentlich keine Wiederholung.  O.K.. Passt. Noch nicht gesehen. Während der Werbung noch mal kurz ins Arbeitszimmer. Dann kam die Besinnung: Was veranstalte ich denn überhaupt hier für einen Aufwand?

Ein Refit ist Hobby (na ja, wohl oder übel) und Hobby soll entspannen und Spaß machen und nicht in Stress ausarten. Die Jolina ist keine 35 Fuß Yacht. Die Planung steht in keinem Verhältnis zu den auszuführenden Arbeiten. Also, Reißleine ziehen. Ein Leitfaden reicht auch aus.

Welches Farbensystem? Aufgrund des breiten und tiefen Sortimentes habe mich für einen „INTERNATIONAL“ agierenden Hersteller entschieden.  Ich nutze die Datenblätter, die ich bereits heruntergeladen habe,  zur Information über Verträglichkeit,  Anwendungen und Arbeitshinweise. Sollte Zweifel oder Unklarheiten auftreten, so kann ich die Hotline über sachkundigen Rat dieses Herstellers nutzen.  

Die meisten Werkstoffe sind beschafft. Die Jolina steht zwar noch im Freien, aber es herrscht trockenes Wetter. Mit dem Rollschlitten werden wir erst in Woche 46/11 fertig. Dann muss wieder der Gabelstapler her und die Jolina wird auf den Schlitten gehievt und in die Halle gerollt. Und so sehe ich meinem Refit-Start am 19.11.2011 gelassen entgegen.

Bis zum 19.11. 2011 sind es aber noch ein paar Tage hin. Was tun? Noch einmal zur Jolina fahren. Einfach mal wieder mich um sie kümmern. Eine gründliche Außenwäsche incl. Unterwasserschiff wäre nicht schlecht. Die Sonne scheint, es ist nachmittags 13.00h, satte 15°C und windstill. So ein mildes Klima Mitte November lässt  Aufbruchsstimmung aufkommen. Mensch, wäre es doch schon Frühjahr und die Wasserung stünde bevor. Dem ist jedoch nicht so, stattdessen steht eine Menge Arbeit bevor. Ernüchterung!


12.11.2011. Jolina ist frisch geduscht. Mast und Reling sind entfernt.
Bug-, Heckkorb und sonstige Beschläge werden folgen.

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